Ich begeistere mich sehr für Anatomie und dem Zusammenspiel von Muskulatur und Ausrichtung in den Asanas.
In Thailand wurde mir das Buch „Anatomie des Hatha Yoga“ von David Coulter von einer Yogafreundin empfohlen, das anatomisch sehr detailreich und aufschlussreich sein soll.
Zurück zu Hause habe ich mir das Buch gleich besorgt und begann euphorisch darin zu blättern. Doch meine Euphorie legte sich schnell. Mittlerweile steht das Buch seit einem Jahr in meinem Regal, nahezu unberührt. Bis heute habe ich noch kein ganzes Kapitel gelesen, geschweige denn einen Absatz.
Es macht mir keinen Spaß dieses Buch zu lesen. Die Sprache ist holzig, kompliziert und nicht rund.
So liest man bei den Drehhaltungen zB
„Die Gelenkflächen an der Schädelbasis – die Hinterhauptkondylen – liegen beidseitig des Foramen magnum oder großen Hinterhauptslochs, …”
Diese Sprache zieht sich durch das ganze Buch. Ich finde, dass Anatomie tatsächlich lebendiger und verständlicher vermittelt werden kann.
Man muss in Anatomie bzw. in den latein. Bezeichnungen bereits ziemlich fit sein, um dem Buch halbwegs folgen zu können. Für einen Mediziner vermutlich eine Wohltat.
Andererseits ist das Buch nicht stimmig. Das Buch nennt sich „Anatomie des Hatha Yoga“, doch wird die Grundanatomie des Menschen mit all seinen Muskeln, Sehnen, Bändern und Knochen nicht anschaulich und im Zusammenspiel abgebildet. Was die Sache ungemein erleichtern würde, dem Inhalt des Buches zu folgen. Eingangs werden noch ein paar Muskelgruppen einzeln erklärt und abgebildet, doch es fehlt an einer zusammenfassenden Übersicht.
Fündig wird man dann erst im Kapitel Kopfstand, wo plötzlich der Mensch über mehrere Seiten als Ganzes abgebildet wird. Doch dort muss man erst einmal hinkommen (ab S. 407).
Im Verlauf des Buches werden also Vorbeugen, Rückbeugen, Drehhaltungen usw. sehr ausführlich beschrieben. Allerdings überwiegt der Text, der spärlich von Asanabildern begleitet wird, die wenig zum Verständnis beitragen. Es ist ein ewiges Hin- und Hergeblätter im Buch, wo man eventuell die erwähnten Muskeln abgebildet finden und ein Verständnis dafür entwickeln könnte.
In den einzelnen Kapiteln finden sich keine Abbildungen zu den im Text erwähnten Knochen/Muskeln, was es tatsächlich schwierig macht dem Autor zu folgen.
Allerdings gibt es zahlreiche Abbildungen der Asanas, die aber bei der Erklärung von Anatomie nicht sehr hilfreich sind.
Auf Seite 320 (von 600) höre ich allerdings die Lendenwirbelsäule knacken, nämlich bei Betrachtung von Abb. 6.15, in der Pashimottanasana – meiner Meinung nach – völlig falsch ausgeführt wird.
Fazit: Für mich ist das Buch eine unzusammenhängende und unstrukturierte Aneinanderreihung von geballtem Wissen in unverständlicher und nicht in ganz korrekter Form.
Yoga Verlag GmbH; Auflage: 1. Auflage (18. Dezember 2009), 608 Seiten, Deutsch, ISBN-10: 3935001118, ISBN-13: 978-3935001113, ca. EUR 35,-


















