Vor 5 Jahren hat Alexandra Sagorz ihr mit Herz und “active feet” geführtes Yogastudio bYOGA in Wien eröffnet.
Abseits des Yoga-Mainstreams bietet Alexandra Forrest Yoga® und hat sich damit in den vergangenen Jahren zu einem einzigartigen und authentischen Yogastudio mit Substanz etabliert. Das hat Alexandra im Mai auch ganz groß mit Ana Forrest im Wiener Konzerthaus gefeiert.
Das haben wir zum Anlass genommen und haben mit Alexandra gesprochen, einer in vielerlei Hinsicht interessante und außergewöhnliche Persönlichkeit. In diesem Interview erzählt sie uns, wie es zu bYOGA gekommen ist, über ihre Liebe zu Forrest Yoga®, was es heißt in Schönheit zu gehen und warum wir aufhören sollten Dinge zu tun, die uns dumpf machen.
Liebe Alexandra, vielen Dank, dass du dir Zeit für uns genommen hast und für die Möglichkeit einen kleinen Einblick in deine Yoga-Geschichte zu erhalten.
Allem voran – wie bist du zu Yoga gekommen?
Ich hab mit etwas Bekanntem begonnen, nämlich meinen Körper zu bewegen und das schon im frühen Kindesalter. Es war sehr vielfältig, vom Tanzen bis hin zum Kitesurfen. Die körperliche Betätigung war mir wichtig, allerdings hat zunehmend etwas gefehlt. Das Körperorientierte alleine hat nicht mehr befriedigt und so hab ich irgendwann eine Yogastunde am USI (Universitätssportinstitut, Anm. der Red.) in Graz ausprobiert.
Als du vor 5 Jahren dein Studio eröffnet hast, hast du von heute auf morgen deinen Job aufgegeben. Erzähle uns wie es zu diesem Schritt gekommen ist? War er wirklich spontan?
Ich arbeitete damals für eine Firma, die gleich ums Eck von diesem Studio lag und für mich sehr praktisch, da ich da öfters nach der Arbeit hin ging. Als ich von einer Reise zurückkam erfuhr ich, dass das Studio für immer geschlossen hat und ich rief dort an, wann es möglich wäre, meine dort deponierte Yogamatte abzuholen. Daraufhin hieß es, dass ich noch ein bisschen warten sollte, denn vielleicht würde dieses Studio jemand anderer übernehmen und weiterführen. 3 Tage vergingen und während dieser 3 Tage dachte ich ununterbrochen an dieses Studio. Ich rief nochmals an und fragte, ob sie schon jemanden hätten, der das machen würde. Da die Antwort nein lautete, fragte ich einfach wie es denn mit mir wäre? Das war ein Freitag. Am Samstag fuhr ich nach Kärnten um mit den Betreibern des Studios zu reden und zu verhandeln. Die Nacht von Samstag auf Sonntag war schlaflos, jedoch hatte ich meinen Entschluss längst gefasst. Am Montag sagte ich zu und keine Minute später hab ich meinen sicheren Job gekündigt, einen Monat später hab ich aufgesperrt. Also ich würde sagen, es war spontan.
Damals wurdest du von manchem (Yogalehrer) belächelt, da du noch keine jahrelange und intensive Yogapraxis vorweisen konntest. Zur Überraschung vieler hast du dich trotzdem rasch etabliert. Deine Kurse sind sehr gut besucht und deine Workshops und Retreats immer früh ausgebucht. Wie hast du diese Phase (Neubeginn) erlebt und wie hast du es geschafft, dich so schnell zu etablieren?
Für jede Yogalehrerin/Yogalehrer ist es irgendwann einmal so weit und sie oder er unterrichtet das erste Mal. Ja, ich bin damals einfach ins kalte Wasser gehüpft, ob ich belächelt wurde oder nicht, es war mir egal. Ich hab es durchgezogen. Ich hab nie gezweifelt, hab an mich geglaubt, hab an meine Selbständigkeit geglaubt und bin hier wirklich meinem inneren Ruf gefolgt. Ich hab mich damals nur mit Leuten umgeben, die mich bestärkt haben, versuchte authentisch zu bleiben. Mir war von Anfang an der Unterricht den ich abhalte von größter Bedeutung, alles andere wie eine große Marketingschiene hab ich nicht verfolgt. Vieles hat sich einfach so ergeben.
Du hast das Studio spontan eröffnet. Erinnerst du dich noch an deine allererste Stunde? Wie fühlte sich das an und wieviele kamen?
Meine allerersten Stunden in meinem bYOGA Studio waren am Mittwoch, 30.5.2007. Ich hab an diesem Tag 3 Einheiten unterrichtet. Mit 4 bis 8 neugierigen TeilnehmerInnen. Eine Einheit musste ich gleich mal auf Englisch unterrichten, da hier zufälligerweise nur English Native Speakers teilnahmen. Denen hats gefallen, sie kamen wieder und brachten noch ein paar Leute mit.
Du bist die erste Forrest Yogalehrerin in Österreich. Ein Stil, der damals und auch heute noch nicht allzu bekannt ist. Ein mutiger Schritt, in einer Zeit, in der die meisten auf Mainstream-Richtungen „setzen“. Wie ist es dazu gekommen und was gefällt dir an dieser Richtung? Welche Philosophie steckt hinter Forrest Yoga®? 
Bei allen Yoga Aus-/Fort-/Weiterbildungen, Workshops und Klassen die ich besuchte, hat mir nach wie vor etwas gefehlt. Ich konnte mich mit keinem Yogastil/-richtung identifizieren, ich war auf der Suche und hab einen Ruf ins Universum geschickt, wie ich denn „meines“ finden könnte. Und da las ich ein Interview mit Ana Forrest in einer Zeitschrift und ich sah so viele Parallelen und ich wusste sofort, das ist es. Was gerade „in“ ist, ist mir egal, für mich funktioniert Forrest Yoga® am besten, mit dem kann ich mich identifizieren, das möchte ich weitergeben. Mir gefällt an dieser Richtung, dass Ana Forrest diesen Yogastil vor mehr als 35 Jahren kreiert hat, um den Herausforderungen unserer westlichen Gesellschaft in der Gegenwart gewachsen zu sein. Viele tiefliegende Themen und Emotionen werden hier angesprochen und traditionelle indische Lehren über Bord geworfen. Ich finde, es war eine absolute Notwendigkeit zu all den Mainstream-Richtungen etwas anderes anzubieten.
Ich war bereits als Kind und Jugendliche einige Male in Westkanada und die Lebensweise und Lehrweisen der Native Americans haben mich immer schon fasziniert und hier wollte ich mehr erfahren. Dass ich irgendwann auf Ana Forrest treffe, die lange in einem Reservat gelebt hat, eine Heilerin und Trägerin der Medicine Pipe ist, hatte ich mir immer erhofft und daran geglaubt.
Forrest Yoga® beinhaltet eine ganz spezielle Form der Heilung, der vorangeht, dass wir unser „schmutziges“ Blut (verändert durch unsere Ernährung, Smog, Nikotin) reinigen. Deshalb liegt ein Schwerpunkt auf der Atmung, den wir „Windpferd“ nennen und der Intention. Man begibt sich auf eine Forschungsreise in das Innerste. Dort entdeckt man dann die eigene Wildheit. Das ganze wird zu einer Abenteuerreise die uns an bis dahin unbekannte Orte führt – und das alles auf der Yogamatte. Beim Forrest Yoga® haben alle Positionen einen Zweck. Im Forrest Yoga®wird gelehrt, wie man fühlt, die eigene Persönlichkeit zu hinterfragen und das ist oft eine große Herausforderung, aber eine spannende. Forrest Yoga® hat viele, im Yoga völlig neue Positionen. Zum Beispiel die intensiven Bauchmuskelübungen. Meine Lehrerin sagt oft: „Hört auf, Dinge zu tun, die Euch dumpf machen, mit denen Ihr Eure Lebenszeit verschwendet! Forrest Yoga® weckt die Leidenschaft für das Leben. Wofür lebst du? Ganz bestimmt nicht, um Rechnungen zu zahlen. Was sind deine Talente? Es ist eine Verschwendung des Spirits, wenn man seine Talente nicht nutzt!“
Du unterrichtest Forrest Yoga® bei angenehmen 27°C. Ist dies für Forrest Yoga traditionell und was bringt es, bei 27°C zu üben?
Hitze wirkt reinigend, das brauchen wir für unsere Zellreinigung. Im FY feiern wir mit Hilfe der Hitze, die wir zu unserer Yogazeremonie einladen, anstatt gegen sie anzukämpfen. In eine heilige Achtsamkeit und Zeremonie gehen, das erinnert an das Schwitzhütten-Ritual der Ureinwohner Nordamerikas. Der Yogaraum ist aufgeheizt, damit die Praktizierenden aufregend neue Tiefen in ihrer Praxis entdecken können. Alles ausschwitzen, was nicht mehr funktioniert, was man im Laufe des Lebens angesammelt hat. Gifte und Schadstoffe auszuschwitzen, um alten Hass und Groll loszulassen.
Wirst du in Zukunft neben Kursen, Workshops und Retreats auch Yogaaus- und weiterbildungen anbieten?
Diesen inneren Ruf habe ich noch nicht verspürt. Ich bin sehr zufrieden, so wie es jetzt ist.
Du warst bei der deutschen Übersetzung des Buches “Die Yoga Kriegerin” von Ana Forrest beteiligt. Was erwartet den Leser in diesem Buch?
Das Buch „Die Yoga Kriegerin“ (im Original: Fierce Medicine) ist kein klassisches Yogabuch. Es enthält Werkzeuge, das Leben zu verändern. Und ein sehr großes Thema in diesem Buch ist das Thema Angst. Jeder Mensch hat Angst, egal, wie mutig er daherkommt. Es geht um Fear-tracking, also die Angst aufspüren. Angst ist in jedem Lebensbereich verborgen und es ist eine traurige Tatsache, dass so viele von uns es überhaupt erst lernen müssen, emotional zu denken und zu fühlen. Sich Angst einzugestehen klingt nach weich und nach Versagen. Aber genau damit erschweren wir uns das Leben. Dieses Buch ist die spirituelle Bürgschaft des Lebens von Ana Forrest. Es beinhaltet die Schätze ihres Lebens. Die Hilfsmittel, die ihr Leben gerettet haben, möchte sie anderen Menschen zur Verfügung stellen.
(Anm. der Red.: Das Buch ist u.a. im Yogastudio bYOGA erhältlich)
Abschließend: Was bedeutet Yoga für dich und wie hast du Yoga in dein Leben integriert?
Ich lebe ein Leben mit meinen Liebsten (Zwei- und Vierbeinern), mit den dazugehörigen Höhen und Tiefen und manchmal plätschert es einfach nur so dahin. Aber ich versuche meinen Weg in Schönheit zu gehen. Schönheit bezieht sich aus der Sicht der Native Americans, auf eine Wahrnehmung der Welt die Balance, Harmonie und die grundlegende Richtigkeit dessen einschließt, dass das Böse das Gute durchdringt und umgekehrt. In Schönheit zu gehen heißt für mich auch authentisch zu leben, ehrlich zu mir selbst zu sein. Forrest Yoga bedeutet Zeit für mich zu nehmen, um mich zu ordnen, mich mit meinem Spirit, meiner inneren Weisheit zu verbinden und fähig zu sein, Lebenskraft mit Hilfe des Atems dorthin zu schicken, wo ich verhärtet bin oder es mich schmerzt. Und genau das möchte ich meinen SchülerInnen fühl- und erlebbar machen.
Vielen Dank für das spannende Gespräch und wir wünschen Dir weiterhin alles Gute auf deinem Yogaweg!
Kontakt zu Alexandra Sagorz
bYOGA – DAS Forrest Yoga® Studio in Österreich!
Beatrixgasse 28
1030 Wien
www.byoga.at




















