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Home Yogapraxis & Asanas Yogaquette – damit aus einer Yogastunde kein Flohzirkus wird

Yogaquette – damit aus einer Yogastunde kein Flohzirkus wird

Ich kann es nicht glauben, dass ich das hier schreibe bzw. schreiben muss. Muss einerseits weil ich es mir von der Seele schreiben muss und andererseits, weil ich einmal darüber sprechen möchte.

Bei meinen YogiNIs, NeuYogiNIs und SchnupperYoginis weise ich darauf hin, dass sie bitte spätestens 10 Minuten vor Beginn der Klasse kommen mögen, damit wir entspannt und pünktlich beginnen können.

So weit hat das gut funktioniert, ich kann mich nicht wirklich beklagen.

Ich liebe es zu unterrichten und freue mich noch immer auf jede Stunde. Doch letzte Woche staunte ich nicht schlecht. Eine SchnupperYogini machte sich nach 45 Minuten auf den Weg nach Hause. Anscheinend genug geschnuppert bzw. ein Termin, den sie nicht verschieben konnte.

Jetzt muss ich also hinzufügen, dass die Stunde 90 Minuten dauert und wir pünktlich die Stunde beginnen UND pünktlich beenden(?).

Nun ja, ein bisschen überrascht bin ich angesichts solcher Aktionen schon, aber auch verärgert. (Ja, ich werde darüber meditieren, warum es mich ärgert. Versprochen.)

Aber so geht das natürlich nicht. Wir sind nicht im Kaffeehaus, wo jeder Kommen und Gehen kann wann er will (oh, gerade fällt mir wieder mein Lehrer ein, der das den notorischen Zuspätkommern vorgepredigt hat).

Als gutmütiger und toleranter Mensch lasse ich ja einiges über mich ergehen oder an mir vorüberziehen, doch es gibt Grenzen und ich denke, es ist auch ein Zeichen von Höflichkeit und Respekt, gegenüber sich selbst, den anderen und mir gegenüber, pünktlich zu sein und die anderen durch sein eigenes Verhalten nicht zu stören.

Manch einer versteht meinen Wunsch nach Pünktlichkeit und Disziplin, als Strenge. Doch es gibt Regeln, die das Miteinander regeln, damit wir es besser und leichter haben.

Im Yoga geht es doch um das Miteinander und wie wir besser miteinander und mit uns selbst umgehen. Wie wir uns gegenseitig wertschätzen.

In den 195 Yogasutren hat sich Patanjali die Finger wund geschrieben um uns darin zu unterweisen, wie der Umgang mit uns und anderen (besser) funktionieren kann. Im Speziellen zeigen uns die Yamas und Niyamas einen Weg, den wir folgen können, um das zu erreichen.

Vielleicht kennen viele YogINis die Sutren nicht oder wie man sich in einem System bewegt, weshalb ich eine „Yogaquette“ verfasst habe, speziell für das Miteinander im Yogaraum, damit aus einer Yogastunde kein Flohzirkus wird.

 

Hier meine Yogaquette in Anlehnung an die Yamas und Niyamas aus den Yogasutren, zu Ehren Patanjali‘s:

Ahimsa – Gewaltlosigkeit

Achte darauf, dass du dich während der Übungen nicht verletzt oder überforderst.
Sei nett zu dir und entwickle Sensibilität im Umgang mit dir selbst.
Behandle deine Grenzen liebevoll und mit Sensibilität wirst du erkennen, wann du weiter, tiefer oder zurückgehen musst.
Halte auch deine Gedanken frei von Ärger und negativen Emotionen, wenn dir eine Übung mal nicht gelingen sollte.

Satya – Wahrheit

Sei ehrlich dir gegenüber, wenn du deine Grenze erreicht hast. Messe dich nicht an anderen.
Bleibe aufrichtig, dir und deinem Körper gegenüber, was du kannst und was du (noch) nicht kannst.
Du musst dich nicht – im wahrsten Sinne des Wortes – verbiegen, um wahr- und angenommen zu werden oder als wertvoll zu betrachtet zu werden.
Das bist du schon.

Asteya – Nicht stehlen

Zwinge dich nicht in Positionen hinein, die du noch nicht erreichen kannst.
Versuche nicht mehr zu bekommen, als dir momentan möglich ist.
Erwarte nicht so viel von dir und empfinde Dankbarkeit für das, was du bereits hast.
Wenn du soweit bist, erreichst du jede Position mühelos.

Brahmacharya – Mäßigung

Sei präsent und fokussiert auf deine Praxis und vergeude deine Energien nicht für Klatsch und Tratsch vor der Stunde.
Reduziere deine Gespräche vor der Stunde auf das Wesentliche.
Leg‘ dich bereits 10 min früher in den Yogaraum, beginne dich zu entspannen und deinen Geist zu beruhigen.
Führe im Yogaraum keine Gespräche und vergeude keine Energie, dich darüber zu beklagen wie anstrengend oder warm es ist.
Du kannst jederzeit einen Gang zurückschalten oder eine stille Pause einlegen.

Aparigraha – Besitzlosigkeit

Bleib natürlich. Alles was du brauchst sind bequeme Kleidung (idealerweise aus Baumwolle) und eine gute Matte.
Lass dich nicht von Markenprodukten und teurer Yoga-Mode verführen. Was zählt bist du.
Schalte dein Handy aus oder lass es zu Hause und nimm es nicht mit in den Yogaraum. Bitte telefoniere nicht während der Stunde.

Saucha – Reinheit

Pflege deinen Körper und deinen Geist. Mach dich vor der Yogapraxis noch einmal frisch und befreie dich von unangenehmen Gerüchen.
Komm mit leeren und reinen Magen. Streife auch all deine negativen Emotionen ab, bevor du den Yogaraum betrittst.
Der Yogaraum dient der Stille und Entspannung.

Santosha – Gleichmut

Sei zufrieden mit dem was du hast und heute kannst. Vergleiche dich nicht mit anderen, die vielleicht schon länger üben.
Deine Praxis sollte frei von Missgunst, Ärger oder Zweifeln sein, gegenüber dir und anderen. Lass dich von den anderen nicht irritieren.

Tapas – Selbstdisziplin

Komm 10-15 Minuten vor Beginn der Stunde, so dass wir pünktlich und entspannt beginnen können.
Deine Yogapraxis beginnt, sobald du dich auf den Weg ins Studio machst. Kalkuliere genügend Zeit dafür ein, so dass du dich nicht abhetzen musst.
Die Einheit endet nach dem Savasana. Laufe nicht vor oder während des Savanas hinaus. Das Savanas ist die Krönung deiner Yogapraxis.
Übe regelmäßig Yoga und bleibe konsequent dran, nur so wirst du Fortschritte machen („eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“).

Svadhyaya – Selbstreflexion

Hinterfrage dich während des Übens, das ist das Herzstück des Yoga. Höre auf deinen Körper und Emotionen, die hoch kommen.
Warum gelingen dir Balanceübungen gut oder weniger gut? Bist du im Leben ausgeglichen (balanciert) oder wirft dich so manches schnell aus der Bahn?
Beobachte, wie du übst. Der Körper ist nichts anderes als der Spiegel unseres Seelenzustandes und offenbart uns Antworten auf dem Weg der inneren Befreiung.
Wenn du dir deiner eigenen inneren Widerstände und Beschränkungen bewusst wirst, kannst du diese Widerstände überwinden und frei werden.

Ishvara-Pranidhana – Hingabe

Gib dich deiner Yogapraxis vollkommen hin, bring all deine Sinne zusammen, werde eins und fokussiere dich auf dich.
Deine Zehen und Fussel auf der Matte sind Nebensache.
Übe selbstlos, ohne Erwartungshaltung und jegliches Gefühl von Egoismus und Ehrgeiz wird sich in Nichts auflösen.
Gib jeden Versuch auf, die Kontrolle für dein Tun zu übernehmen, du kannst nichts erzwingen. Bleib dran und erfreue dich an den kleinen Fortschritten.
Was zu dir gehört, wird zu dir kommen. Früher oder später.

 

Abschließend weiß ich auch warum ich mich geärgert habe: Nämlich über mich, dass ich diese Situation zugelassen habe. Ich werde noch an meiner Disziplin arbeiten. Versprochen!

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Cordula | Yoga & Wandern

Cordula | Yoga & Wandern

Ich lebe und unterrichte Vinyasa Flow Yoga in Österreich, Korneuburg. Neben meinen Kursen und Workshops sind "Yoga und Wandern" Reisen meine große Leidenschaft - ich liebe die österreichische Landschaft und Natur. Meine Stunden sind kreativ, fordernd und humorvoll. Motto: Yoga ist der Weg zu dir selbst.

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